Warum die Barbara Karlich Show unverzichtbar ist

„Als verrückt bezeichnet zu werden, ist ein Kompliment“, „So wie du will ich nie leben“ – so und so ähnlich werden viele Sendungen der „Barbara Karlich Show“ betitelt. Da sitzen ältere Männer in Trachten neben jüngeren im Gothik-Stil, „zünftige“ Damen im Dirndl neben Magistratsbeamten, die ihre Ganzkörpertätowierungen zeigen, mit rosa Plüschtieren auf dem Schoß.

Das Verwunderliche: kein Streit wird provoziert wie man es von den gängigen Talkshows der 90er Jahre gewohnt ist (die in dramatisch inszenierten Shows wie „Maury“ mit Maury Povich in den USA sogar in Handgreiflichkeiten gipfelten) sondern das Verständnis zwischen den Generationen gefördert. Die Gespräche der Protagonisten kennzeichnen sich durch Fragen an den jeweils anderen um zu verstehen, nicht anzukreiden oder seine Meinung durchzusetzen – und gerne wird gemeinsam gelacht wenn klar wird, dass die vermeindlich „Konservativen“ in ihrer Jugend gar nicht so konservativ waren, oder der junge tätowierte Magistratsbeamte auch eine Lederhose sein Eigen nennt. Der wiederum das Wort „Tradition“ nicht besser hätte formulieren können, indem er dafür plädiert, altes zu bewahren und neues aufzunehmen.

Barbara Karlich schafft es,mit Charme und Witz in alter Journalistenmanier die Position des Publikums einzunehmen, ohne ihre Gäste unnötig aus der Reserve zu locken. Den Zuschauer geschickt vertretend, meistert sie den Spagat und schlüpft gleichzeitig in die Rolle des Vermittlers: ob zwischen Schwiegermüttern und Kindern, „Konservativen“ und jenen, die einen besonderen Lebensstil pflegen oder aber auch in Genderfragen ohne zu urteilen, zu provozieren oder die Stimmung künstlich aufzuheizen. Wie sie das schafft? Durch unbedeutend wirkende Fragen und Verweise auf kleine Details –  so formuliert, als kämen diese aus dem Mund der Talkshowgäste selbst, an seinen Nachbarn gerichtet. Und so wächst das Verständnis untereinander und die Freude, wieder etwas gelernt zu haben. Diversifikation als Chance, Anders-Sein als etwas besonderes. Aufeinander zugehen mit Respekt, um Neues zu entdecken und das Offen-Sein genießen – Werte, die uns von einer starken Frau im Nachmittagsfernsehen täglich vermittelt werden.

Aber wer ist denn jetzt diese Karlich?

Wer denkt, diese Dame ist ja ganz nett und moderieren kann sie auch, der weiß nicht viel über sie. Macht man sich erstmal schlau, staunt man nicht schlecht. Barbara Karlich hat an der Universität Wien Publizistik, Psychologie und Theaterwissenschaften studiert und 1994 abgeschlossen. Den Hochschullehrgang für Öffentlichkeitsarbeit hat die gebürtige Burgenländerin ebenso absolviert. Nebenbei schreibt sie nicht nur Bücher sondern auch an ihrer Dissertation am Institut für Soziologie und leitet eine Laientheatergruppe im Burgenland, wo sie selber auftritt.

Mehr Infos unter: http://kundendienst.orf.at/orfstars/karlich.html

Einfach mal reinschaun!: http://tvthek.orf.at/programs/2226669-Barbara-Karlich-Show vom 2.8. „So wie du will ich nie Leben“.

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